Staatsbürgerschaft

«Staatsbürgerschaft» lässt sich nicht national denken

Moderne Staatlichkeit geht vom Ideal exklusiver und souveräner Nationalstaaten aus: Staaten verfügen über klar abgrenzbare soziale, politische und geografische Räume. Jedes «Staatsvolk» lebt in einem «staatlichen Territorium» und untersteht in diesem Territorium einer «Staatsgewalt». Grenzüberschreitende Bewegungen von Menschen, Gütern, Ideen, Informationen und Kapital machen aber deutlich, dass die Praxis weit entfernt ist von diesem Ideal. Menschen pflegen Beziehungen über Grenzen hinweg. Manche leben im Staat, dem sie angehören. Andere sind ausgewandert. Wiederandere leben in verschiedenen Staaten zugleich. Während die einen einem einzelnen Staat angehören, haben andere mehrere Staatsbürgerschaften, und wieder andere sind staatenlos.

Multiple Staatsbürgerschaften und Zugehörigkeiten kennzeichnen einen immer grösseren Teil der Bevölkerung. Die vermeintlich klaren gesellschaftlichen Grenzen zwischen dem «wir» und den «anderen» sind im Begriff, sich aufzulösen. Die Unterschiede zwischen den Kategorien «Schweizer» und «Ausländer» verwischen zusehends. Immer mehr Menschen sind «sowohl» als «auch». Auch territoriale Trennlinien werden durch die zunehmende Intensität grenzüberschreitender Verflechtungen infrage gestellt: Wer «Staatsbürgerschaft» national denkt, denkt zu kurz.

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Letzte Änderung 08.06.2020

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