Bundesamt für Polizei

Kampf gegen den Kokainhandel afrikanischer Netzwerke in der Schweiz

Medienmitteilungen, fedpol, 08.09.2010

Bern. Seit rund eineinhalb Jahren arbeiten mehrere Kantone, das Grenzwachtkorps sowie die Bundeskriminalpolizei im Kampf gegen den Kokainhandel vertieft zusammen. Ziel der intensiven Arbeit über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus ist es, die Schweiz als Standort für Kokainhändler unattraktiv zu machen. Die Anstrengungen richten sich insbesondere gegen die Netzwerke von Kriminellen afrikanischer Herkunft, die im Schweizer Kokainmarkt eine wichtige Rolle spielen.

Nach Einschätzung der Polizei ist der Konsum von Kokain in der Schweiz in den vergangenen Jahren angestiegen. Allein 2009 wurden in der Schweiz rund 560 Kilogramm Kokain von Zoll und Polizei sichergestellt, was ein neuer Rekordwert bedeutet. Trotz hoher Preise ist Kokain nach Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Droge in der Schweiz. Entsprechend hoch sind die illegalen Gewinne.

Schmuggel und Handel mit Kokain sind geprägt von einer Vielzahl von Akteuren. In der Schweiz wird der Kokainmarkt überwiegend von Gruppen aus Westafrika und der Dominikanischen Republik beherrscht. Bei jenen Personen aus Westafrika, die sich in der Schweiz der Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig machten, stammt die Mehrheit aus Nigeria. In geringerem Masse sind im Kokainhandel auch Gruppen und Personen aus den Balkanstaaten und der Schweiz aktiv.

Intensive Zusammenarbeit trägt zunehmend Früchte
Gestützt auf Anfragen verschiedener Kantone hat die Bundeskriminalpolizei (BKP) beim Bundesamt für Polizei im Frühjahr 2009 beschlossen, im Rahmen eines Projekts mit den kantonalen Polizeidiensten und dem Grenzwachtkorps (GWK) eine ständige Arbeitsgruppe zur Bekämpfung des Phänomens einzusetzen.

Die Rollen sind klar verteilt: Die Arbeitsgruppe innerhalb der BKP koordiniert in erster Linie den Informationsaustausch zwischen den involvierten Kantonen (u.a. Waadt, Solothurn, Basel-Land, Aargau, Neuenburg, Basel-Stadt, Bern, Luzern, St. Gallen, Tessin und Schaffhausen), dem GWK, den ausländischen Behörden sowie mit INTERPOL und EUROPOL. Insgesamt hat die BKP im In- und Ausland seither 70 Verfahren koordiniert oder unterstützt. Die BKP analysiert die eingehenden Informationen, wertet diese aus und stellt sie den Kantonen wieder zur Verfügung. Diese technische, operative und analytische Unterstützung zuhanden der Kantone ergibt als Mehrwert eine gesamtschweizerische Fallübersicht.

Unterstützung erhalten die Kantone zusätzlich von GWK und Zoll, die an der Grenze grosse Mengen Kokain sicherstellen und sowohl aufgegriffene Tatverdächtige als auch sichergestelltes Bargeld den jeweils zuständigen Polizeibehörden übergeben. Die einzelnen Ermittlungsverfahren gegen den Schmuggel und Handel von Betäubungsmitteln fallen in die kantonale Zuständigkeit. Entsprechend sind auch die kantonalen Strafverfolgungsbehörden für die Informationen zu den Strafverfahren zuständig.

Die involvierten Partnerbehörden haben in der Zwischenzeit in mehreren Kantonen gezielte Aktionen gegen den Kokainhandel durchgeführt: Insgesamt wurden bislang dreistellige Kilobeträge an Kokain sowie mehrere Hunderttausend Franken an mutmasslichen Drogengeldern sichergestellt.

Das Ziel der Zusammenarbeit bleibt auch in Zukunft die frühzeitige Erkennung von neuen Ermittlungsansätzen, um den Strafverfolgungsdruck gegen den Betäubungsmittelhandel zusätzlich zu erhöhen.

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